Ein Text, bevor er einen Titel bekommt.
Ein erster Einblick.
Noch ohne Cover. Noch ohne Titel. Nur ein erster Text – und vielleicht schon ein Gedanke, der länger bleibt als erwartet.
Dieses Buch entsteht für Menschen, die nicht nur lesen, sondern sich in Geschichten, Beobachtungen und leisen Momenten wiederfinden möchten. Es geht um Nähe und Entfernung, Vertrauen, Enttäuschung, Erinnerungen, Würde, Verlust, Hoffnung und um all die Dinge, über die wir oft erst dann nachdenken, wenn es um uns herum still geworden ist.
Bis zur Veröffentlichung wächst daraus ein umfangreiches Buch mit vielen neuen Geschichten, Gedanken und fotorealistischen Bildern, die unmittelbar mit den jeweiligen Momenten verbunden sind.
Die Veröffentlichung ist pünktlich zu Weihnachten 2026 geplant.
Bis dahin bleibt manches noch verborgen.
Aber vielleicht reicht dieser erste Einblick bereits, um neugierig darauf zu werden, was noch kommt.
Ein erster Einblick
Manche Gedanken kommen nicht, wenn man nach ihnen sucht.
Sie kommen spät.
Wenn der Tag vorbei ist.
Wenn das Handy still wird.
Wenn draußen nur noch vereinzelte Fenster leuchten und plötzlich wieder Dinge auftauchen, für die tagsüber kein Platz war.
Ein Mensch.
Ein Satz.
Eine Entscheidung.
Eine Erinnerung, von der man dachte, sie längst hinter sich gelassen zu haben.
Dieses Buch erzählt von solchen Momenten.
Von Nähe und Entfernung. Von Vertrauen, Enttäuschung und Würde. Von Menschen, die bleiben. Von Menschen, die gehen. Und von denen, die längst fort sind und trotzdem manchmal wieder im Kopf sitzen, als wären sie nie wirklich verschwunden.
Es geht nicht um Antworten.
Eher um die Gedanken, die entstehen, wenn es still genug wird, sie wieder zu hören.
Vor dem ersten Kapitel
Der Regen hatte irgendwann aufgehört.
Nicht richtig. Auf der Straße glänzte noch das Wasser, und hin und wieder löste sich ein Tropfen vom Fensterbrett und fiel nach unten.
In der Wohnung war es still.
Auf dem Tisch stand eine Tasse Kaffee.
Kalt.
Daneben das Handy.
Das Display war längst wieder dunkel, aber ich wusste trotzdem, was dort stand.
Eigentlich war es nur eine kurze Nachricht gewesen.
Nichts Besonderes.
Kein Streit. Keine Erklärung. Kein Satz, den man sich aufschreiben würde.
Und trotzdem hatte ich sie schon dreimal gelesen.
Vielleicht machen wir das manchmal so.
Wir lesen nicht die Worte.
Wir suchen dahinter.
Nach einem Tonfall, den es in geschriebenen Nachrichten eigentlich gar nicht gibt. Nach einer Bedeutung, die vielleicht vorhanden ist. Vielleicht auch nicht.
Nach dem einen kleinen Hinweis, der uns erklärt, was ein anderer Mensch wirklich denkt.
Als könnte man einen Menschen verstehen, indem man lange genug auf ein paar Zeilen schaut.
Ich legte das Telefon mit dem Display nach unten.
Eine Minute später drehte ich es wieder um.
Keine neue Nachricht.
Natürlich nicht.
Draußen bog ein Auto in die Straße ein. Das Licht wanderte kurz über die Wand gegenüber, verschwand hinter dem Schrank und war wieder weg.
Für einen Augenblick dachte ich an eine andere Nacht.
Viele Jahre zuvor.
Andere Wohnung. Anderer Tisch.
Wahrscheinlich sogar eine andere Tasse Kaffee.
Aber derselbe Gedanke.
Wie merkwürdig es ist, dass sich unser Leben vollständig verändern kann und manche Fragen trotzdem mit uns umziehen.
Wir wechseln Wohnungen.
Autos.
Arbeit.
Menschen.
Manchmal sogar Überzeugungen.
Und dann sitzt man Jahre später nachts irgendwo und merkt, dass ein Teil von einem noch immer an einer Stelle steht, die längst nicht mehr existiert.
Vielleicht liegt das an Erinnerungen.
Vielleicht an Dingen, die nie richtig beendet wurden.
Oder daran, dass ein Ende auf dem Kalender etwas anderes ist als ein Ende im Kopf.
Es gibt Menschen, die verschwinden aus unserem Alltag.
Ihr Name steht irgendwann nicht mehr oben in der Nachrichtenliste.
Man weiß nicht mehr, wann sie Geburtstag haben.
Man kennt ihre neue Telefonnummer nicht.
Man weiß nicht, welchen Kaffee sie inzwischen trinken oder ob sie noch immer viel zu spät ins Bett gehen.
Eigentlich weiß man fast nichts mehr.
Und dann läuft irgendwo ein Lied.
Man fährt eine bestimmte Straße entlang.
Oder jemand verwendet einen Ausdruck, den früher nur dieser eine Mensch benutzt hat.
Und plötzlich ist alles für einen kurzen Moment wieder da.
Nicht der Mensch selbst.
Etwas anderes.
Vielleicht die Zeit.
Vielleicht die eigene Version von damals.
Das ist manchmal schwer auseinanderzuhalten.
Wir sagen, wir vermissen jemanden.
Dabei vermissen wir vielleicht einen Ort, an dem wir uns einmal sicher gefühlt haben.
Eine Zeit, in der noch vieles möglich schien.
Oder den Menschen, der wir selbst waren, bevor etwas passiert ist.
Das macht Erinnerungen kompliziert.
Sie erzählen uns nicht nur von anderen.
Sie erzählen uns immer auch etwas über uns.
Ich nahm die Tasse und trank trotzdem einen Schluck.
Der Kaffee schmeckte entsprechend.
Kalt. Bitter.
Ich musste kurz lachen.
Es war einer dieser lächerlich kleinen Momente, in denen man merkt, dass das Leben sich nicht darum kümmert, ob ein Gedanke gerade bedeutend ist.
Der Kaffee wird trotzdem kalt.
Die Heizung springt an.
Irgendwo fährt jemand zur Nachtschicht.
Ein Hund bellt.
Und während man selbst glaubt, gerade etwas Grundsätzliches über sein Leben verstehen zu müssen, lebt die Welt ziemlich unbeeindruckt weiter.
Vielleicht ist das sogar beruhigend.
Wir nehmen unsere eigenen Geschichten manchmal sehr ernst.
Das müssen wir vermutlich auch.
Niemand sonst trägt sie genau so.
Aber irgendwann merkt man, dass selbst die Dinge, von denen man glaubte, sie würden einen für immer beschäftigen, langsam ihre Form verändern.
Nicht unbedingt ihre Bedeutung.
Aber ihr Gewicht.
Manche Erinnerungen verschwinden nicht.
Sie werden nur leichter zu tragen.
Andere bleiben schwer.
Und bei manchen weiß man selbst nach Jahren nicht genau, warum.
Das Handy lag noch immer auf dem Tisch.
Keine Nachricht.
Diesmal ließ ich es liegen.
Nicht aus Stolz.
Nicht als Zeichen.
Es gab in diesem Moment einfach nichts mehr zu tun.
Manchmal ist das schwerer zu akzeptieren als jede Antwort.
Wie wirkt dieser erste Einblick auf dich? (022026)
Stimme erst ab, nachdem du den Text auf dich wirken lassen hast.
